Startseite > Das Museum > Beschußanstalt > Geschichte
 
 
 

Geschichte



Historische Ansicht um 1936

Geschichtliches

Im Zentrum der Stadt Zella-Mehlis, unweit der ehemaligen Grenze der Beiden Städte Zella St. Blasii und Mehlis, in geringer Entfernung vom Rathaus, liegt die alte Beschussanstalt. Der Grundstein für das Gebäude, das durch den 29,3 m hohen Schornstein und durch einen auf dem Dach befindlichen Kuppelbau auffällt, wurde 1892 gelegt. Am 1. April 1893 wurde die Herzogliche Beschussanstalt dem Betrieb übergeben. Seit dem sind in dieser Einrichtung weit über 15 Millionen Handfeuerwaffen geprüft worden. Aus Platzgründen wurde die Beschussanstalt 1942 in das neu erbaute Gebäude am Böhmerberg (Dörrnbachstraße) verlagert. Danach wurde der alte Bau als Fabrikgebäude (mechanische Fertigung) genutzt.

Rechtsträger waren u.a. die Firma Kührt, PGH Automatik (um 1972) und bis zur Wende der damalige VEB Spannzeuge. Nach jahrelangen Verhandlungen ist seit diesem Jahr die Stadt Zella-Mehlis Eigentümer der ehemaligen Beschussanstalt. Die alte Herzogliche Beschussanstalt ist der einzige erhaltene Sachzeuge der ehemals ortsansässigen Produktion von Handfeuerwaffen, die jahrhundertelang ein Haupterwerbszweig der Bewohner von Zella und Mehlis gewesen ist. Wegen dieser Tatsache und wegen der speziellen bautypischen Merkmale wurde die alte Beschussanstalt 1986 auf Antrag der AG Denkmalpflege in Zella-Mehlis unter Schutz gestellt. Das Gebäude ist ein typischer Vertreter der Industriearchitektur um die Jahrhundertwende. Merkmale hierfür sind der nahezu im Mittelpunkt der Beschusshalle befindliche hohe Schornstein, auf rechteckigem, durch Keller und Erdgeschoß reichenden Unterbau, der auf dem Dach befindliche Kuppelbau sowie die Gestaltung der Hauptfassade. Hierzu gibt die nachfolgend aufgeführte Beschreibung vom Herzoglich Sächsischen Bezirksbauinspektor, Dr. Ernst Heiß (Ohrdruf), aus dem Jahr 1905 Auskunft: "...nicht nur auf die innere Ausstattung, sondern auch auf die äußere Gestaltung, besonders des Risalits, wurde Wert gelegt und einheimischer Pflanzen- schmuck wie Efeu, Kastanie, Eiche, Ahorn, wilder Wein an Konsolen und Kapitellen der 'deutschen' Säulen, die über geschnitzte Rundbögen das Schild mit der Aufschrift 'Herzogliche Beschussanstalt' mit dem Wappen in Lorbeer und Eichenlaubumrankung tragen, verwendet.


Ansicht 1998

Ansicht 1998

Dieser ganze Unterbau wurde durch ein fünfteiliges Radfenster unter weit ausladendem Walmdach gekrönt, dessen Träger als Fratzen gebildet, die Bannung der giftigen Gase versinnbildlichen. Die Wirkung dieser Schnitzarbeit wurde durch reichen Farben- schmuck erhöht. Schreiner-, Schlosser-, getriebene Arbeiten usw. kamen bei Türen, Füllungsgittern, Geländern, Beschlägen, Wasserspeiern usw. in breiter Ausführung zur Verwendung..." Alle Gebäude sind auf Quadergrundmauern aus Sandstein errichtet, meist als Fachwerkkonstruktion. Weitere Details enthält die bereits genannte Beschreibung.

Bauzustand vor der Sanierung

Die ursprüngliche Gebäudegeometrie ist zum großen Teil noch vorhanden. Allerdings verdecken an einigen Stellen später angebrachte Anbauten störend die alten Gebäude. Durch die jahrzehntelange Nutzung als Fabrik für mechanische Fertigung (Automatendreherei) wurden starke Verunreinigungen durch Öl verursacht. Jedoch sind im Inneren des Gebäudes erstaunlicherweise viele alte Teile der ursprünglichen Bausubstanz erhalten (Holzverkleidungen, Fenster, Türen etc.). Auch die Stahlrahmen vom früheren Oberlicht in der Beschusshalle lagern noch auf dem Dachboden.


Ansicht 1998


Ansicht 1998

Nutzungsmöglichkeiten und denkmalpflegerische Maßnahmen

Bereits 1986 wurde von der Arbeitsgemeinschaft Denkmalpflege Denkmalschutz für die alte Beschussanstalt beantragt. 1987 wurde durch das damalige Institut für Denkmalpflege Erfurt ein durch VEB Spannzeuge geplanter Abriss des Kuppelhauses und des großen Schornsteins aus denkmalpflegerischen Erwägungen heraus untersagt. Bereits vor Einstellung der Produktion durch den damaligen VEB Spannzeuge wurde durch die Arbeitsgemeinschaft Denkmalpflege auf eine mögliche zukünftige museale Nutzung des denkmalgeschützten Gebäudes hingewiesen. Diesem Gedanken entsprechend erwarb die Stadt Zella-Mehlis da unmittelbar vor der Beschussanstalt liegende Grundstück an der Hauptstraße.

Inzwischen ist es der Stadt gelungen, den gesamten Gebäudekomplex zu erwerben. Die städtebauliche Konzeption für Zella-Mehlis, durch eine Bonner Planungsgruppe ausgearbeitet, hat die Nutzung des Gebäudes als Technikmuseum einbezogen. Dieser Variante sollte im Interesse der Bewahrung der historischen Bausubstanz der Vorzug gegeben werden, zumal das bestehende Heimatmuseum der Stadt dringend weitere Ausstellungsflächen benötigt. Die erforderlichen denkmalpflegerischen Maßnahmen können an dieser Stelle nur kurz angedeutet werden. Hauptproblem ist die Sanierung der vorhandenen Altlasten (Voruntersuchungen, Projekte zur Sanierung, Ausführung der Maßnahmen). Im Zusammenhang damit muss die Entfernung der störenden Anbauten erfolgen. Dann sollte gemäß einer denkmalpflegerischen Konzeption die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes von 1905 erfolgen, im Kompromiss mit der zukünftigen Nutzung. Die Gestaltung der Außenanlagen könnte abschließend den historischen Bau von 1893 voll zur Geltung bringen.


Ansicht 1998

 

 
Kalender
September 2017
<<     >>
Mo Di Mi Do Fr Sa So
  1 2 3
4 5 6 7 8 9 10
11 12 13 14 15 16 17
18 19 20 21 22 23 24
25 26 27 28 29 30  


Mitglieder-Login
 
Geschichts- und Museumsverein Zella-Mehlis e.V.
Contact Sitemap Home