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Museum Zella-Mehlis

Willkommen > Objekt des Monats Februar 2026 ‒ Mineralwasserflasche

Objekt des Monats Februar 2026 ‒ Mineralwasserflasche

Objekt des Monats Februar 2026 ‒ Mineralwasserflasche

Die beliebte Führung „Hinter den Kulissen“ zum letztjährigen Stadtfest brachte auch für das Museumsteam spannende neue Erkenntnisse. Was war passiert? Ein Führungs-Teilnehmer aus der Zella-Mehliser Partnerstadt Andernach entdeckte in Magazin 11, dem Depot für Keramik und Glas, auf den ersten Blick unscheinbare Objekte und fing sogleich Feuer. Ihn faszinierten Mineralwasserflaschen aus Steinzeug, von denen sich einige in der musealen Sammlung befinden.

Im 18. und 19. Jahrhundert erfolgte der Mineralwasserversand ausschließlich in Steinzeugflaschen, die zu Beginn eher bauchig waren, mit der Zeit aber immer schmaler und gerader wurden. So konnten sie leichter transportiert werden. Oben hatten sie einen kleinen Henkel. Zum Schutz vor dem Entweichen der Kohlensäure wurde die Öffnung der Krüge nach dem Befüllen mit Lederhäuten verschlossen und zum Abdichten in Wachs oder Baumharz getaucht. Der Inhalt variierte, bei unseren Stücken zwischen 1 bis 1,5 Litern. Bis zum Einsatz von Krugpressen ab 1879 erfolgte die Herstellung der Steinzeugflaschen ausschließlich in Handarbeit. Die meisten dieser Töpferwaren stammen aus Kleinbetrieben im sogenannten „Kannenbäckerland“, einer Landschaft im rechtsrheinischen Teil des Westerwalds mit einer sehr alten keramischen Tradition und den größten und qualitativ hochwertigsten Tonvorkommen Europas. In den lederharten Ton der Flasche presste man das Siegel der Mineralquelle, bzw. das der zuständigen Brunnenverwaltung, die abfüllte. Der sogenannte Kannenbäcker, Töpfer oder auch Euler (von lat. olla = Topf) ritzte oder stempelte zudem sein Ortskürzel und eine (Betriebs-) Nummer ein und ist auf diese Weise meist noch heute identifizierbar. Um 1900 lösten Glasflaschen flächendeckend die Steinzeugflaschen als Mineralwasserbehältnis ab.

Mineralwasserkrüge aus Steinzeug waren ein Einwegprodukt, denn das Zurücktransportieren und Wiederbefüllen lohnte sich nicht. Die zahlreich vorhandenen Krüge im Museumsbestand zeugen allerdings doch für eine Wiederverwendung. Selbst der Ausschuss bei der Herstellung wurde nicht einfach entsorgt, sondern teilweise als Drainage in Äckern vergraben. Unsere Museumsflaschen könnten sicherlich einige Geschichten erzählen vom Abfüllen, dem Transport und der Wiederverwendung als Behältnis für Öle, Petroleum, Benzin, Flüssigkeiten aller Art bis hin zu Opas Selbstgebrannten.

Unser Besucher recherchierte anhand zweier ausgewählter Krüge in seiner Heimat (vielen Dank dafür) und kam zur Erkenntnis:

„Inventar-Nr. 3377:
Aus dem kleinen, unbedeutenden Brunnen von Geilnau an der Lahn wurde von 1780 bis 1894 Mineralwasser versandt. […] Der Stempelaufdruck GEILNAU mit den beiden Buchstaben „B“ „M“ im unteren Innen-Bereich steht für die Speditionsfirma Boehm&Marchand (Johann Friedrich Boehm zu Offenbach und Gustav Marchand zu Ahl an der Lahn) aus Offenbach, die den Brunnen 1809 für 24 Jahre gepachtet hatte. Das heißt, der Krug 3377 stammt definitiv aus der Zeit zwischen 1809 und 1832. […] Die Farbunterschiede hängen mit dem Standplatz des Kruges während des Brennvorganges zusammen. Bei voller Sauerstoffzufuhr wird der (Westerwälder) Krug braun, bei reduzierter Sauerstoffzufuhr grau und dazwischen liegen jede Menge Farbnuancen.

 Detail Geilnauer Brunnenstempel mit Nummer des Töpfers.
Detail Geilnauer Brunnenstempel mit Nummer des Töpfers.

Inventar-Nr. 3385:
Hierbei handelt es sich um einen Mineralwasserkrug der (Bad) Emser „Kraenches-Quelle“. Aus der Einritzung unterhalb des Henkels M 125 kann man erkennen, dass er in Mogendorf hergestellt wurde. Der noch erkennbare Stempelaufdruck […] trägt in der Mitte ein „N“ mit Krone. Das heißt, dieser Mineralwasserkrug stammt aus der Zeit nach der Annexion von Nassau durch Preußen im Jahre 1866. Bis dahin hatte (Bad) Ems zum Herzogtum Nassau gehört und im Stempel-Innenbereich stand ein „HN“.“

Detail Emser Kraeniches Brunnenstempel, in der Mitte „N“ für Nassau nach 1866
Detail Emser Kraeniches Brunnenstempel, in der Mitte „N“ für Nassau nach 1866.

Von genau diesen älteren Krügen vor 1866 finden sich zwei weitere in unseren Beständen.

Daneben stammen Museumsflaschen vom Fachinger Mineralbrunnen oder aus Bad Kissingen (Gebr. Rakoczy). Vier Flaschen wurden in Niederselters und Selters abgefüllt. Die Brunnen haben ihren Namen nach lateinisch aqua saltare = tanzendes Wasser und prägen den Begriff Selterwasser als Bezeichnung für Mineral- oder Sprudelwasser bis heute.

 


Mineralwasser war bis Mitte des 19. Jahrhunderts ausschließlich natürlichen Ursprungs und zunächst ein Luxusprodukt. Im Jahr 1816 kosteten in Niederselters 100 Mineralwasserkrüge ohne Transport 11 Gulden, was gemessen an der damaligen Kaufkraft heute umgerechnet etwa 10 € pro Flasche entspricht. Das stand ihrer Verbreitung nicht im Wege, deutschlandweit finden sich vollständige Mineralwasserkrüge und bei archäologischen Ausgrabungen auch deren Scherben. Der Export erfolgte zudem weltweit. Nachweise gibt es unter anderem in den Niederlanden, Irland, Kalifornien und Java.

Meist wurden die Wässer zu Heilzwecken, z. B. bei Magenbeschwerden, konsumiert. Verschiedenen Wässern sprach man, je nach den Mineralstoffgehalten, besondere Heilwirkungen zu. In den florierenden Bädern der Kurorte wurde Mineralwasser nicht nur äußerlich, sondern mittels Trinkkuren auch innerlich angewendet und so immer populärer.

Zella-Mehliser Apothekenannonce mit Heilwasserwerbung von 1925.
Zella-Mehliser Apothekenannonce mit Heilwasserwerbung von 1925.

Ansichtskarte aus Bad Kissingen von 1903 mit Gästen bei der Trinkkur.
Ansichtskarte aus Bad Kissingen von 1903 mit Gästen bei der Trinkkur.

Da erstaunt es nicht, dass in den Museumsregalen auch vier Flaschen eines regionalen Produkts lagern: Friedrichshaller Bitterwasser aus Lindenau. Die Tonflaschen, wohl gefertigt in der Nähe von Bad Brückenau, haben wie die meisten Bitterwasserflaschen eine viereckige Form. Die Lindenauer Salzquellen sind seit 1152 urkundlich nachweisbar. Seit etwa 1820 wird im Ort nahe Heldburg Salzwasser durch Tiefbrunnen bzw. Bohrungen gefördert.

Detail Brunnenstempel Friedrichshaller Bitterwasser.
Detail Brunnenstempel Friedrichshaller Bitterwasser.

Annonce für Friedrichshaller Bitterwasser von 1899.
Annonce für Friedrichshaller Bitterwasser von 1899.

Das „Friedrichshaller Bitterwasser“ erlangte internationalen Ruf und erhielt beim Weltkongress der Medizin im Jahr 1913 in London als einziges medizinisches Präparat die Goldmedaille. Anerkannt wurden Heilerfolge bei Rheumatismus, Fettreduktion, Depression, Zellkommunikation, Neuropathien und Stoffwechselstörungen. Das Bitterwasser wurde jährlich in über 400.000 Tonkrügen exportiert. Selbst zu DDR-Zeiten noch verkauft, konnte die Marke nach der Wende jedoch bis heute nicht wiederbelebt werden. Vielleicht sparen wir uns künftig die Fett-Weg-Spritze und trinken lieber ein Schlückchen Friedrichshaller?

Wer einen Blick hinter die Kulissen werfen und diese und weitere Schätze unserer Depots kennenlernen möchte, hat beim nächsten Internationalen Museumstag am 17. Mai 2026 jeweils um 11:00 und 14:00 Uhr dazu Gelegenheit. (ms)

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Unsere Gäste sind immer wieder erstaunt, was man in unserer Stadt alles erleben kann: Spannende Entdeckungen im Technikmuseum Gesenkschmiede und im Stadtmuseum in der Beschußanstalt, beeindruckende Kunstwerke im Bürgerhaus, exotische Begegnungen im Meeresaquarium, naturwissenschaftliche Phänomene in der Explorata-Mitmachwelt, Badespaß in den Erlebnisfreibädern und vieles mehr! Ob Sie sich für Technik interessieren, Kunst und Kultur bevorzugen oder sich als Familie mit Ihren Kindern wohlfühlen möchten – Zella-Mehlis hat für viele Geschmäcker das passende Angebot!

 

Öffnungszeiten

Stadtmuseum Beschußanstalt und Technikmuseum Gesenkschmiede

Montag: 10.00 – 17.00 Uhr
Dienstag: 10.00 – 17.00 Uhr
Mittwoch: geschlossen
Donnerstag: 10.00 – 17.00 Uhr
Freitag: 10.00 – 17.00 Uhr
Samstag: 10.00 – 16.00 Uhr
Sonntag: 10.00 – 16.00 Uhr
Feiertags: 10.00 – 16.00 Uhr

An vier Tagen bleiben die Museen geschlossen:
Neujahr, Christi Himmelfahrt, Heiligabend und Silvester.

Heimatmuseum Benshausen

Ab 5. Januar 2026 gelten im Heimatmuseum Benshausen folgende Öffnungszeiten:

Montag: geschlossen
Dienstag: 10.00 – 13.00 Uhr
Mittwoch: geschlossen
Donnerstag: 14.00 – 17.00 Uhr
Freitag: geschlossen
Samstag: geschlossen
Jeden 2. Sonntag im Monat: 14.00 – 17.00 Uhr


Änderungen vorbehalten!
Zugang zum Museum über die alte Eingangstür von der Gemeindeverwaltung Benshausen – bitte klingeln! Telefon: +49 (0) 36843 / 725 18-21

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Sie sind der 71440. Besucher seit dem 1. Januar 2024

 

Zella-Mehlis –
Historisch gewachsene Wirtschaftskraft

Zella-Mehlis kann auf eine bewegte und erfolgreiche Wirtschaftsgeschichte zurückblicken. Hier wurde der Lauf von internationalen Automarken beeinflusst, Weltkonzerne gegründet und dafür gesorgt, dass James Bond die Welt retten kann. Und auch heute finden sich hier Wirtschaftszweige, die man auf den ersten Blick nicht vermuten würde. Die Langversion dieses Filmes, welcher in Zusammenarbeit mit mamoni media » entstanden ist, können Sie im Technikmuseum Gesenkschmiede » sehen.

Partner/Kooperationen

Erlebnispark Meeresaquarium Explorata Mitmachwelt Galerie im Bürgerhaus Thüringer Wald Card Mehrkindfamilienkarte Thüringen    Schmieden in der Gesenkschmiede

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