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Sagen

 


Ludwig Bechstein

geb.: 24.11.1801 Weimar
gest.: 14.05.1860 Meiningen

Bechstein hat fünf große Sagensammlungen herausgegeben. Wie bei den Märchen ist auch hier die Sagensammlung der Brüder Grimm (Deutsche Sagen 1816/18) eine der wichtigsten Quellen.

Volkssagen von Ludwig Bechstein Thüringer Sagenbuch. Coburg (Georg Sendelbach) 1858. Eigentlich: Wien (Hartleben) 1857

Volkssagen von Ludwig Bechstein, Der Sagenschatz und die Sagenkreise des Thüringerlandes. 4 Bände. Hildburghausen (Kesselring) 1835–38

Zella-Mehlis

Die Ruppbergs-Jungfrauen


Ein Nachbar des großen Hermannsberges ist der Ruppberg, der spitzeste und zuckerhutförmigste unter allen Bergen der Thüringerwaldkette. Zwischen beiden Bergen liegt der Donnershauk, eine aussichtreiche, unbewaldete Höhe. An ihm entspringt "der kalte Brunnen".

Auf dem Ruppberge stehen hohe Porphyrfelsen nackt zu Tage; auch dort soll einst ein Schloß gestanden haben, und vieles weiß die Sage nicht nur von einer Ruppbergs-Jungfrau, sondern von mehreren, zu erzählen, die aber nicht stets zusammen erscheinen, sondern bisweilen eine allein, bisweilen zwei, bisweilen auch drei. Ist letzteres der Fall, so haben sie gewöhnlich einen Weich (eine Wäsche) die sie dann auf einsamen Waldwiesen ausbreiten und trocknen.

Alle diese Sagen von Wäschen und Leinenbleichen deuten auf Flachspflege, auf spinnen und weben hin - alle diese Jungfrauen sind Dienerinnen der Hulde, ebenso jene, welche Leinknotten in der Sonne klengen, den Saamen des Flachses - gleichsam die Priesterinnen der deutschen Frauengöttin im Tempelvorhofe.

Zu dem Bärenbacher Hirten, der am "kalten Brunnen" unterm Donnersberge hüthete, kam eine der Ruppbergs-Jungfrauen und zeigte ihm einen Stein und sagte ihm, daß unter diesem Steine ein großer Schatz ruhe; er solle nur den Stein und dann den Schatz heben, so werde er sie aus ihrer Pein erlösen. Der Hirte ging hin, und wollte dem Gebote Folge leisten, aber da fand er eine große Schlange auf dem Steine liegend, die sich mit aufgesperrtem Rachen zischend gegen ihn aufbäumte. Zaghaft entfloh er - später hat man dort weder den Stein noch die Schlange, noch die Jungfrau wieder erblickt - vielleicht war die Erlösunghoffende bei einem andern glücklicher.

Auf dem Ruppberge und im Grunde des droben gestandenen Schlosses liegt ein großer Schatz, der ist versetzt mit drei Erstgeburten, die alle Johannes heißen müssen, d.h. nur drei erstgeborene Söhne, die den Vornamen Johannes führen, welcher in dieser Gegend so allgemein ist, daß sicher 2/3 aller Mannsleute ihn vor ihren übrigen Namen führen, ohne daß er der Rufname zu sein braucht, können entweder diesen Schatz heben, oder ein vierter Schatzheber muß diese 3 dem Bösen opfern.

Letzteres klingt insofern seltsam, als nach dem Volksglauben der Teufel über den Namen Johannes gar keine Macht hat, und demselben daher äußerst aufsässig ist. Daher sind auch Johanniskraut oder Johannisblut (Hypericum perforatum), Johannisgürtel (Wermuth, Artemisia vulgaris) und die Johannishand (zugeschnittene Wurzel des Adlerfarrn, Pteris aquilina), dem Teufel und allem von ihm ausgehenden Schaden an Menschen, Vieh und Wohnungen magisch entgegenwirkende Mittel. Den Schatz auf dem Ruppberg zu heben, soll von vielen versucht worden sein, aber noch keinem gelungen.

Mit dem Ruppberge gleichsam zusammenhängend und ein Ausläufer von ihm ist der Reissigen-, besser reissende Stein, dessen schroffe Absenkung aus dem Thale der Lichtenau zwischen Mehlis und Benshausen aufsteigt. In alten Büchern steht von ihm als "denkwürdig", daß an ihm "zur Nachtzeit nicht viel Ruhe ist, indem die Steine von oben herab in die gerade unten vorbeiziehende Landstraße springen, wodurch viele Leute erschreckt worden; dem Vernehmen nach lassen sich allda viele Gespenster sehen." Das sind eben die Rupprechtsjungfrauen.

Dem Reissigen-Stein gegenüber ging ein Frauchen mit einem Schlüsselbunde um, das ließ sich immer in der Mittagsstunde sehen, und schrie wehklagend: Drei Viertel für ein Pfund! Drei Quärtchen für eine Kanne! Es war eine Handelsfrau, aus Mehlis oder Benshausen, die beim Leben stets ihre Kunden um 1/4 des Gewichts oder Gemäßes betrogen hatte.

In der Nähe, hinterm reissenden Stein, liegt der Häselberg, in welchen ein Amtmann verwünscht ist, der in dortiger Gegend als Feuermann umgehen und spuken muß, weil er ein Unterthanenschinder war. Auch ein Schloß voller Lichter hat man droben auf dem Häselberge brennen sehen. Im Gröhles bei Benshausen (von Gekröhle, Geheul) rollen auch Feuerklumpen, und erschrecken die Wanderer.

Thüringer Sagenbuch. Coburg (Georg Sendelbach) 1858.

Die Jungfrauen auf dem Rupberg


Oft schon haben die Köhler am Rupberg bisweilen eine, bisweilen drei weiße Jungfrauen erscheinen sehen. Es sind verwünschte Fräulein aus der alten Ritterburg, die auf dem Berg stand; Niemand weiß, warum sie wandeln müssen.

Einem Holzbauer ist es begegnet, daß er, wie er von Mehlis auf den Berg an sein Geschäft ging, im Walde ein Fräulein erblickte, das vor ihm herging. Auf einmal nießte es, und der Holzhauer sagte: Gott helf! aber das Fräulein drehte sich nicht um, dankte auch nicht. Nach einer Weile nießte es abermals, und der Holzmann sagte wieder: Gott helf Dir! Das Fräulein schwieg und ging weiter; bald nießte es zum dritten Mal, da lief dem Holzmann die Laus über die Leber, und er rief ärgerlich: Ei so helf Dir der Teufel, wenn Dir Gott nicht helfen will! Auf dieses Wort drehte sich das Mägdlein um, sah den Holzbauer traurig an und sprach mit beweglicher Stimme: Hättest Du noch einmal gesagt: Gott helf! so war ich erlöst und Dein Glück war gemacht. Hierauf verschwand sie vor seinen Augen an einem alten Buchenstock, der noch im Walde steht.

Volkssagen von Ludwig Bechstein. Der Sagenschatz und die Sagenkreise des Thüringerlandes. 4 Bände. Hildburghausen (Kesselring) 1835-38.

Drei Viertel für ein Pfund

Oben bei Mehlis, dem reissenden Stein (Reissigerstein in der Volkssprache) gegenüber, ist das sogenannte lange Thal gelegen. Dort ist eine Frau umgegangen mit einem Schlüsselbund. Die erschien den Leuten in der Mittagsstunde und schrie wehklagend: Drei Viertel für ein Pfund! Drei Quärtchen für eine Kanne! Das mußte sie thun, weil sie bei Lebzeiten einen Kram gehabt und die Käufer betrogen hatte. Jetzt sieht und hört sie keiner mehr, sie wird wohl endlich erlöst sein.

Volkssagen von Ludwig Bechstein. Der Sagenschatz und die Sagenkreise des Thüringerlandes. 4 Bände. Hildburghausen (Kesselring) 1835-38.

Benshausen

Die alte Braut

In Benshausen war ein junges Mädchen verlobt, aber sie war nicht glücklich, denn ihr Bräutigam war ihr nicht lieb, vielmehr ihr aufgedrungen worden; als nun Tag und Stunde der Trauung herbeigekommen waren, und es schon einmal in die Kirche geläutet hatte, und zum zweitenmale läutete, ging die Braut, bereits in ihrem Brautstaate, noch einmal allein hinaus in den Hausgarten, und sagte zu ihren Leuten, sie wolle nur ein wenig, bis es vollends ausläute, draußen frische Luft schöpfen der Grund war aber kein anderer als der, daß sie sich noch einmal recht ausweinen wollte, was sie auch that.

Mit einemmale sah sie einen fremden Mann, von sanften und milden Zügen, der fragte sie theilnehmend, was ihr denn fehle? Und da faßte sie gleich ein wunderbares Vertrauen zu dem Manne, und war ihr nun, als kenne sie ihn schon lange, er aber, um sie auf andere Gedanken zu bringen, fragte sie nach ihren Blumen, ließ diese und jene von ihr sich nennen, und dann öffnete er eine Thüre im Zaun, und ließ sie in seinen Garten treten, und da fiel ihr bei, daß der Mann ja ihr ganz nahe wohne, aber längere Zeit abwesend gewesen sei. Und in des Mannes Garten war es viel, viel schöner, wie in der Braut ihrem Garten, prächtige Blumen, herrliche Früchte, singende Vögel waren darin, und er erweiterte sich immer mehr, je länger sie in demselben an der Seite des Mannes wandelte, in den allerbesten, ihr Herz wunderbar erhebenden und belebenden Gesprächen.

Da hörte die Braut es zusammenschlagen, und ging nun zwar traurig und ernst, aber doch gefaßteren Gemüthes vor nach dem Hause, um mit dem ihrer harrenden Bräutigam und der ganzen Verwandtschaft nach der Kirche zu ziehen.
Wie sie aber in das Haus trat, erblickte sie ganz andere Leute, und von Aeltern und Geschwistern, von Bräutigam und Verwandten keine Seele, und die Leute schauten sie groß an in ihrem Putz, der diesen schrecklich altmodisch vorkam.

Niemand kannte sie und sie kannte niemand. Man brachte sie, die Wildfremde und scheinbar Geistesverwirrte, zum Pfarrer, der schlug im Kirchenbuche nach und fand, daß vor hundert Jahren eine Braut das Hochzeithaus kurz vor der Trauung verlassen habe, und nicht zurückgekehrt, auch nirgend zu finden gewesen sei.

Da sehnte sich die alte Braut zurück in den friedlichen Garten des Paradieses, darin sie mit dem Bräutigam reiner Seelen, Jesus Christus, gelustwandelt war, aller Erdenschmerzen überhoben, und ging auch noch desselben Tages ein in das himmlische Friedensreich.

Thüringer Sagenbuch. Coburg (Georg Sendelbach) 1858.

Die Brout en Garte

(Die Braut im Garten)

In Benzzause waer ag eimoil e Brout, abber se waer net (nicht) glöcklich, weil se örn Bräutigöm net gern hät, u der ir oufgedrounge waer. Als se nu en der Kerche gekopelirt sou wär, läuts zum erstemoil, u beimme zweitemoil Läute es se fix u fertig ohgezöh (angezogen), flennt (weint) un sprecht: ig well ner nog e beßle naus in Garte geehe u fresche Luft schöpf, u widder komm, banns (wenn es) zesommeschläit; abber kä Mensch, ag ör Bräutigöm net, dorft mitter. (durfte mit ihr)

Bi se in Garte ahgekomme waer, so heult se förchterlich übber örr Uglöck, u da stett mett eimoil e fremer Mo (fremder Mann) bei er, den se nog nie gesäie hat, un fräigt se öm irrn Kommer, u se sät en aues, bih's er öms Heerz waer.
Da trüst se der Mo u fängt o, u lobt örn Garte gar sehr un sprecht von diesen und jenn, öm ner de Brout off annere Gedahnke ze brenge, un se zeigt en aues en örn Garte. Nachdem säit der Mo, se soll eg eimoil mit en seinn Garte gäche un sech ömsäieh; sei Garte lag abber ganz darnabe (daneben) nahe örn, un doch hatten de Brout noch keimal gesäehe, wiwo (wiewohl) er gar sehr schüi waer.

Da waren auerhand schünne Blumme denn, Vögu (Vögel), die ihr noch keimal fürgekomme waren, pfefe denn, (pfiffen) Alee u Gartelab (Gartenlauben) gabs, Sprengbrönn u Beer auerlei Aert, aues gar sehr schüi u prächtig; dazu sprach der Mo, der er den Garte wehs (wieß, zeigte), gar sehr freundlich u ohgenahm mit er, bis of aimoil zesomme schlugk; da nohm der Mo höflich u fei züchtig Abschied zweche örn un sein Garte, un die junge Brout ging nu widder eus Haus zeröck, öm zer Kopelation met örn Bräutigöm en de Kerche ze ziehn.

Assa (Als sie) abber ens Haus kam, bleb er der Verstand stenn, denn da waren annere, ör ganz fremme Leut zegöh (zugegen) anners gekleidt, un von en Bräutigöm, un von Huizigäst, un von örn Geschwister, vo Vater un Moitter waer niß ze senn un ze höre. Nu forscht mer nag, un so fand sich's denn en Kerchebug, daß vor honnert Jarn emal e Brout vor dem Zesommeschlöinnn in den Garte gegange un nett widder gekomme waer.

Volkssagen von Ludwig Bechstein. Der Sagenschatz und die Sagenkreise des Thüringerlandes. 4 Bände. Hildburghausen (Kesselring) 1835-38.

Der verschüttete Bergmann

Auch um Benshausen gab es in früheren Zeiten ziemlich schwunghaften Bergbaubetrieb, und wohnten im Orte selbst auch Bergleute.

Ein Bergmann hatte sich vorgenommen, am Sonntage zum heiligen Abendmahl zu gehen, und ging daher am Sonnabende vor diesem Sonntage zur Beichte. Nun ist freilich die Regel, besonders auf dem Lande, nach Beichte und Absolution keinerlei Werkeltagsgeschäfte mehr vorzunehmen, um sich nicht dadurch von frommen Gedanken ablenken zu lassen.

Aber der Bergmann war sehr arm, und mochte den geringen Lohn eines Nachmittags nicht einbüßen, dachte, dem lieben Herrgott dürfe am Ende redlicher Fleiß wohlgefälliger sein, als müssiggängerisches Hände in den Schooß legen, ging daher wieder vor Ort an sein Tagewerk, und wollte noch schaffen bis zum Feierabend. Aber kaum war er hinab in den Schacht, so verschüttete sich die Grube, und zwar in solcher Weise, daß gar niemand wußte, wo sie zu Tage gegangen war.

Hundert Jahre darauf wurde auf demselbem Grundstück gemuthet und bergmännisch eingeschlagen, da stießen in der Teufe die arbeitenden Knappen auf alte verfallene Stollen, und fanden in einem solchen einen Bergmann sitzen, welcher zu schlafen schien. Alle entsetzten sich und glaubten einen Berggeist zu sehen, im Berghabit, mit langem eisgrauem Barte, doch überzeugten sie sich endlich, daß der Schlafende kein Geist war, denn er erwachte allmählig aus seinem Schlummer, und fragte: Hat es etwa schon zusammengeschlagen? und schien erschrocken, sich noch vor Ort zu finden. Ich habe nächten gebeichtet, und will heute zum Abendmahl gehen! fuhr der Alte fort, aber die Knappen verwunderten sich, und antworteten ihm: Heute wird kein Abendmahl gehalten, heute ist kein Sonntag und kein Kirchgang. Sie nahmen aber den seltsamen Alten mit aus der Grube, und führten ihn, weil er fest darauf bestand, nach der Kirche, ihrer einer aber lief, und holte den Pfarrer. Dieser reichte dem alten zitternden und todbleichen Bergmann das Mahl der Versöhnung, und wie er es empfangen hatte, sank er leise in sich zusammen, seine Kleider zerfielen in Staub und Mulm und sein Leib war ein Häuflein Asche.

Thüringer Sagenbuch. Coburg (Georg Sendelbach) 1858.

Von em Bergkmo

(Von einem Bergmann/Benshäuser Dialekt)

Bei Benzzause senn vor aue (alten) Zeite ag Bergklöcher gewast, un es senn Bergleut da dehemm (zu Hause) gewast. Von denne (diesen) ging emal enner an en Sonnabed zer Beicht, u denn Sonntig drauf wolle zum Abendmoihl gäehe.

Nu weiß mer abber von jeher, daß mer niß meh arbet sou (soll), bamme (wenn man) gebeicht hat, sonner me muß sei Gedoanke dahi richt u muß dehnk, bu me gewaßt iß. Der Bergkmo wott abber sei beßle Lueh (Lohn) nett verliehr, u fuhr doch nach der Beicht o. Abber e waer auererst (kaum) in die Grube nei, aus (als) mit aimail das Log verfällt und un begrabt, so daß ma von Bergklog niß meh hat gesäehe und net gewoßt hat, bus (wo es) gewahst waer.

Nag honnert (hundert) Jaeren komme un annere Bergkleut vonnere annere Grube hergegrabe u komme ag on die, die vor honnert Jaern versaue (verfallen) waer, u senne (sehen) en Bergmo doe lenn (liegen), der en lange große Bart hatt un thät, es banne (als wenn er) schlief. Se weckenen auff, u bi he die Auge uffschläet, so fräegt e gleich: obs schn zesammegschlöh hett, e mößt zum heilige Abendmoihl gäehe. De Annern säche (sagen) zu em, es eß kei Sonntig heut, sonnern Werkeltagk und kei Kerche, und da gett mer nett zum Abendmoihl. - Doch! sprecht he: nächte (gestern) bin ich en der Beicht gewast, u heut mues ig zum Abendmoihl gäehe. -

Se brengenen aus der Grube u nach sein Verlange en die Kerche un lasse den Pfarre ho (holen) un der gitten (giebt ihm) das heilige Abendmoihl, u bi ers empfange haet, da störzt e zesomme u is e Häuffle Aesche.

Volkssagen von Ludwig Bechstein. Der Sagenschatz und die Sagenkreise des Thüringerlandes. 4 Bände. Hildburghausen (Kesselring) 1835-38.

Suhl

Der rothe Stein

Wenn man aus Suhl die Straße nach Zella zu geht, steht, ehe man in das sogenannte "Oberland" gelangt, ohnweit des Weges ein rothfarbiger Porphyrfels nackt zu Tage, der heißt der rothe Stein. An seinem Fuße entspringt eine Quelle, deren Rinnsal man das rothe Bächel nennt.

In diesen Stein ist eine Jungfrau gebannt und gezaubert, welcher vergönnt ist, alle sieben Jahre zu erscheinen; da sitzt sie, gleich der verwünschten Jungfrau bei Eisenach droben auf dem Stein, strählt ihr Goldhaar, und nießt. Ein Mann hörte sie sechsmal nießen, und rief ihr freundlich sein: Gott helf'! hinauf – als sie aber zum siebenten male nießte, ward er zornig und schleuderte einen Fluch zum rothen Stein hinauf.

Da rief eine klagende Stimme: O hättest Du nur noch einmal gewünscht, daß Gott mir helfe, so wäre mir geholfen und ich erlös't worden! Nun muß ich im Stein bleiben bis zum jüngsten Tage! Bisweilen geht, wenn sie erscheinen darf, die Jungfrau bis zum rothen Bächle herab, überschreitet es und wäscht sich darin.

Eines Tages schritt ein Hochzeitszug am rothen Steine vorüber, vielleicht hinaus zum Gasthaus zum fröhlichen Mann, da ging es wie bei dem weißen, weissagenden Vöglein in Dillstädt, nur daß nicht gesungen, sondern von einer hellen Stimme aus dem Stein heraus gekreischt wurde: Heute roth! Uebers Jahr tod! - so daß allen im Brautzuge das Herz erschrak. Und ein Jahr darauf war die junge Frau tod, der als glücklicher Braut die schaurige Weissagung gegolten hatte.

Es ist eine innige Verwandtschaft dieser deutschen Jungfrauen der noch lebenden Sage mit den Berg- und Quellnymphen der antiken unverkennbar - und namentlich da, wo beide in der Gabe der Weissagung völlig zusammenklingen. Das Gebanntsein solcher Jungfrauen an den Berg, an den Fels, an die Quelle, an den Weiher, an den Fluß, selbst an den Baum, obschon letzteres in Deutschland selteneren Vorkommens, mahnt augenfällig an die Oreaden, Potamiden, Limniaden, Leimoniaden, Dryaden und Hamadryaden der hellenischen Sagenwelt, ohne daß darunter der ersten urdeutsche Abstammung von Disen und Idisen, wie von Ividien, letztere in geistiger Wesenheit den griechischen Nymphen völlig verschwistert, einen Abbruch erleidet.

Thüringer Sagenbuch. Coburg (Georg Sendelbach) 1858.

Oberhof

Teufelsbad und Teufelskreise


Aus der Goldlauter führen steile Waldpfade hinauf zum Forst- und Gasthaus zur Schmücke und zu dem dieser nahen Schneekopfgipfel, den jetzt ein steinerner Thurm als Lug ins Land ziert. Wie der Brocken des Harzwaldes, gilt der Schneekopf des Thüringerwldes der Sage als eine der Leibresidenzen des Meister Urian, denn er hat auf dieser Höhe sein Bad, was ihm auf dem Brocken mangelt, wo nur sein Brunnen quillt und seine Kanzel steht, auf der er vor 18 Jahren zum letztenmale gepredigt haben soll.

Das Teufelsbad ist ein Moortümpfel, so tief, wie der Schneekopf hoch ist. Wer da hinein fällt, kommt nie wieder heraus.

Einem Bergmann aus der Goldlauter begegnete eines Abends in der Dämmerung ein großer Reiter in einem feuerfarbenen Mantel, fragte nach dem Wege zum Schneekopf und nahm ihn zum Führer und Wegweiser an. Als er in die Nähe der Teufelskreise, welches weit und breit verrufene Sumpfstrecken sind, mit dem Bergmann kam, stieg er vom Rosse ab, hieß dasselbe dem Führer halten, und breitete seinen Mantel auf die Erde. Dann stieg er in die Sumpflache hinab und nahm zu seiner Erfrischung ein kaltes Bad; so wie er in den Sumpf stieg, zischte es und es wallten Dämpfe auf, als wenn ein glühendes Eisen in kaltem Wasser gelöscht würde.

Als sich der Rothmantel gehörig abgekühlt hatte, stieg er wieder aus dem Bade, und ließ sich sammt seinem Roß wieder auf die Straße geleiten, dabei gebot er dem Bergmann, er solle seinen Kober voll Laub pflücken und dieses mit nach Hause nehmen, das solle sein Führerlohn sein.

Innerlich unzufrieden, aber von Furcht überwältigt, that der Bergmann wie ihm geboten war, und wie er das abpflücken des Laubes vollendet hatte, so war sein Reiter verschwunden.

Daheim wartete die Frau mit Scheltworten statt mit der Abendsuppe auf, daß er so spät heim komme, und da sie statt etwas mitgebrachtem an Eßwerk nur das Laub im Kober fand, wurde das häusliche Gewitter gar schwer und drohte mit einschlagen. Das Laub schüttete die erzürnte Frau gleich zum Fenster hinaus auf den Mist.

Am andern Morgen that sie ihrem Manne, da er wieder an die Arbeit gehen mußte, ein Stück Brod in den Kober, da hingen noch einige Blättchen von dem Laub im Korbgeflechte, und schimmerten so schön grüngoldig, und waren eitel Dukatengold.

Jetzt war es an der Zeit, daß der Mann aufbegehrte, gleich solle die Frau gehen und das weggeworfene Laub wieder holen. Sie eilte schon aus eigenem Antrieb danach, es war aber draußen kein Laub mehr vorhanden, wohl aber in ihres Mannes Hand ein dürrer Stecken - o weh!

Thüringer Sagenbuch. Coburg (Georg Sendelbach) 1858.

Der Jägerstein

Eine Strecke unter den Teufelskreisen auf dem Schneekopf, an denen es niemals geheuer ist, und wo es die Reisenden schon oft geneckt, irre und in bodenlose Sümpfe geführt hat, steht ein Denkstein mit einer alten jetzt kaum noch lesbaren Inschrift zum Gedächtniß einer Unglücksthat, welche die Sage des Volks zu einer zauberischen Verblendung umgewandelt hat.

Ihr zufolge lebte zu Gräfenrode, am jenseitigen Fuße des Schneekopfs, nach Arnstadt zu, ein Förster, der hatte einen Jägerburschen, mit welchem er in Unfrieden lebte, und den er daher auf mancherlei Weise tückte und ärgerte. So gab er ihm, der noch dazu sein Vetter war, den Auftrag, einen Feisthirsch zu schießen, der seinen Stand im Schneekopfreviere hatte, und dort herum wechselte und sich sehen ließ, das war ein prächtiger Hirsch von sechzehn Enden oder noch darüber.

Aber der Jägerbursche, der Caspar hieß, vermochte nie den Hirsch zu schießen, obschon er denselben oft ganz nahe sah und schußgerecht vor sich hatte; entweder versagte sein Gewehr oder der Schuß ging fehl, und der Hirsch ging gemachsam seiner Wege, sah sich auch wohl noch einmal nach dem Jäger um, und machte ihm mit dem stattlichen Geweih eine Reverenz.

Kam nun der Caspar Abends nach Hause, und hatte den Hirsch nicht geschossen, so regnete es Spott- und Stichel- und Stachelreden - was für ein geschickter und jagdgerechter Schütze er sei, und die Hirsche würden ihm demnächst eine Dankadresse dafür überreichen, daß er sie so menschen- und hirschefreundlich zugleich behandle, und sie schone, und ob vielleicht seine Büchse nicht mehr töde? Da solle er doch einen Feuermolch oder Unk hinein laden, und dergleichen - und das alles wurmte den Caspar sehr, ging daher zu einem alten Jäger, der bewährt war in Jägerkünsten, guten und schlimmen, und klagte diesem Miß- und Ungeschick.

Der alte Jäger schüttelte den Kopf und sagte: Dir soll bald geholfen werden. Gehe morgen in aller Frühe nach Gehlberg in die Glashütte; nimm Deine Kugelform mit, und forme Dir eine Kugel aus reiner Glasmasse. Auf alle Fälle hat Dir ein Feind einen Weidmann gesetzt, aber das Glas widersteht allem Zauber und allem Bösen, deswegen können sich auch der Teufel und die Hexen nicht im Spiegel sehen. Mit dieser Kugel, die Du stillschweigend in Deine Büchse laden mußt, schieße Du nur in Gottes Namen auf den Hirsch.

Caspar befolgte diesen einleuchtenden Rath, ging Abends abermals wegen dem Hirsch auf den Anstand, und brauchte gar nicht erst zu warten, so kam der kapitale Bursche und äsete sich, und schaute sich um. Ein Blitz - ein Ruf: in Gottes Namen! und da brach der Hirsch zusammen, und freudig eilte Caspar zu ihm hin, ihm den Genickfang zu geben, falls er nicht völlig gut dahin getroffen haben sollte, wohin er gehalten, nämlich nach dem Kopfe.

Aber o Schreck - da lag kein Kapitalhirsch - da lag mausetod der Prinzipal und Vetter, der sich durch böse Weidmannspraktiken selbst in den Hirsch verwandelt hatte. So hatte er seinen Lohn dahin.

In das Kirchenbuch zu Gräfenrode wurde aber der Unglücksfall folgendermaßen eingetragen:
" A. 1690, den 16. Septbr. ist der Fürstl. Sächs. Forst-Knecht, Herr Joh. Valentin Grahow, Abends nach 4 Uhr von seinem Vetter Caspar, der ein Jäger-Bursch war, im Walde am Schneekopf, in Verblendung einer Hirschgestalt, an den Schlaf durch den Kopf geschossen worden, da Knall und Fall eins gewesen."

Thüringer Sagenbuch. Coburg (Georg Sendelbach) 1858.

Steinbach - Hallenberg

Die Ritter im großen Hermannsberge

Ohnweit Steinbach-Hallenberg, nach Suhl zu, erheben sich der große und der kleine Hermannsberg, der erstere ein bedeutender, weit sichtbarer Hochgipfel der Thüringischen Gebirgskette, und einer der bevorzugten mythischen Sagenträger.

Schon der Name Hermann deutet auf frühe Zeit hin, und daß die spätere Sage auch hier wieder Riesen der Mythe zu Rittern des Mittelalters verjüngte, beweißt, daß sie in dem hohen Porphyrfelskamm, mit dem der große Hermannsberggipfel gekrönt ist, die Trümmer eines Schlosses erblickt, von dem keine Urkunde zeugt.

Auch hier ist der Ritter der jüngeren Sage wieder der in den Berg verwünschte und gebannte Held der alten Mythe, gleich dem Berner, dem Eckhart, dem Tanhäuser, dem Rothbart. Auch hier hört man des Nachts wildes und entsetzliches Geschrei des Ritters und seiner Wappner: ersterer hat, um großer Schätze theilhaft zu werden, 12 Seelen geopfert.

Bisweilen sind die Ritter außerhalb des Bergesinnern Kegel schiebend erblickt worden (offenbarer Hinweiß nach der Riesensage) und haben einmal einem Hirtenknaben, der ihnen die Kegel aufsetzen mußte, das ganze Spiel, doch ohne die Kugeln geschenkt. Er hatte schwer daran zu tragen, doch trug er's heim, und warf es unter die Treppe.

Ein anderesmal traf er die Ritter wieder im Freien, wieder Kegel schiebend an, setzte ihnen wieder auf, und erhielt jetzt auch die Kugeln. Als nun daheim der Hirte mit seinen Kammeraden an einem Sonntage auch Kegel schieben wollte, waren Kegel und Kugeln in Gold verwandelt.

Aus einem Dorfwirthshause am Fuße des großen Hermannsberges, wahrscheinlich Schönau, sagte der Wirth seiner Magd, weil sie schläfrig war, und Abends am Spinnrocken einnickte, sie solle hinauf auf den Hermannsberg gehen, und dort Wein holen, weil doch droben in dem Ritterkeller, ganz wie im Singerberge und im Ringelsteine, Fässer voll steinalten Weins lägen. Das Mädchen befolgt schlaftrunken den Befehl ihres Herrn, sie geht, sie empfängt Wein, und weiß nicht wie? Dem Herrn war's nur ein Scherz gewesen, er und seine Gäste sind ganz erstaunt, als nach langem außenbleiben die Dirne mit Wein zurückkehrt. Der Wein wurde gekostet, er war uralt und schwer, und brannte wie Fegefeuer.

Einst ging ein Wanderer, von einem Führer geleitet, über die Trift von Steinbach-Hallenberg nach Mehlis zu, zwischen dem Hermannsberge und dem Berge, welcher das Triegelloch heißt. Trigel (Trügel) ist ein Name der Wichtlein und Erdzwerge, der die neckische, meist täuschende und unzuverlässige Seite ihres Charakters zeigt - und die kaum irgend in der Nähe solcher Wunderberge, Fegefeuersitze und mythischer Hochgipfel fehlen - dem begegnete eine Gestalt wie ein Mensch, die stumm an ihm und dem Führer vorüberschritt. Sie hatte kein Gesicht. Es war ein Märzmorgen und hatte frisch geschneit; die Gestalt aber hatte in dem Schnee keinerlei Fußtapfen zurückgelassen.

Thüringer Sagenbuch. Coburg (Georg Sendelbach) 1858.

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Dienstag: geschlossen 10 – 17 Uhr
Mittwoch: geschlossen geschlossen
Donnerstag: 10 – 17 Uhr geschlossen
Freitag: 10 – 17 Uhr geschlossen
Samstag: 10 – 16 Uhr 10 – 16 Uhr
Sonntag: 10 – 16 Uhr 10 – 16 Uhr
Feiertags: 10 – 16 Uhr 10 – 16 Uhr

An vier Tagen bleiben die Museen geschlossen:
Neujahr, Christi Himmelfahrt, Heiligabend und Silvester.

Heimatmuseum Benshausen

Das Heimatmuseum Benshausen hat 2024 voraussichtlich an folgenden Tagen von 14.00 – 17.00 Uhr geöffnet (Änderungen vorbehalten!):

14. Januar, 18. Februar, 10. März, 21. April, 19. Mai, 9. Juni, 14. Juli, 11. August, 8. September, 13. Oktober, 10. November, 8. Dezember

Besuche zu anderen Zeiten nur nach vorheriger Vereinbarung.
Eberhard und Erika Mann / Telefon: (03 68 43) 6 07 62

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Zella-Mehlis –
Historisch gewachsene Wirtschaftskraft

Zella-Mehlis kann auf eine bewegte und erfolgreiche Wirtschaftsgeschichte zurückblicken. Hier wurde der Lauf von internationalen Automarken beeinflusst, Weltkonzerne gegründet und dafür gesorgt, dass James Bond die Welt retten kann. Und auch heute finden sich hier Wirtschaftszweige, die man auf den ersten Blick nicht vermuten würde. Die Langversion dieses Filmes, welcher in Zusammenarbeit mit mamoni media » entstanden ist, können Sie im Technischen Museum Gesenkschmiede » sehen.

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